Unverdienter Punktverlust an der Landesgrenze

Fussball ist 11 gegen 11 und am Ende holt Türkiye  noch einen Punkt. Mit solchen oder so ähnlichen Gedanken muss der Sportskamerad Schiedsrichter am Sonntagmorgen aufgewacht sein, um dann nach seinem zweiten Mokka und einer Pita auf die Hand zum Sportplatz am Wilhelmsburger Deich aufzubrechen.

Der Achter Herren war nach einigen Absagen altgedienter Leistungsträger wie Kay, Bernd, Yves, Martin, Jan, Scotty, David und Pippo doch noch letztendlich mit 14 Mann und frohen Mutes zum Auswärtsspiel auf dem Schlackeplatz am Elbdeich gefahren.  Die Aufstellung, Ersatzbank und das Konzept durch ein eng gestelltes Mittelfeld und laufintensiver Abwehrarbeit ließ uns auch optimistisch gegen die stark eingeschätzte gegnerische Mannschaft beginnen:

Boris

  André                         Malte                             Jens (Kapitän)

                              Axel                          Thomas D

Paul                    Sascha A                        Frank                 Sasa

Tim

Mit Slomo, Bixi, Susi und Christoph (da – mal wieder – zu spät ohne Einsatz und Eintrag im Spielbericht) auf der Bank, hatten wir zudem ein starkes Backup unter der knorrigen Eiche am Spielfeldrand sitzen.

Zu Beginn des Spiels setzte Türkiye auch mit vielen Ballkontakten und Seitenverlagerungen deutlich mehr Akzente im Spiel nach vorne. Durch unsere eng gestaffelte Hintermannschaft kam aber kaum ein gefährlicher Ball Richtung Boris. Erst nach ca. 10 Minuten wurde über Paul und Tim der erste gefährliche Konter der Achten Herren gefahren wodurch auch sofort mehr Ruhe und Ballkontrolle in das eigene Mittelfeldspiel kam. Das Spiel kippte nun durch die immer wieder schnell gespielten Vorstöße von denen Frank nach schönem Querpass im 16er aus halblinker Position mit einem satten Strahl über den Torwart hinweg dem selbigen keine Chance ließ. Nachdem Tim schon zweimal allein vor dem Torwart vergeben hatte, spurtete er die Torauslinie beim nächsten Versuch im 16er entlang und überlistete dieses Mal den Torwart statt in die Mitte abzulegen mit dem Schuss in die kurze Ecke. 2:0 – was war hier denn los? Fragten sich sicherlich auch unsere Gastgeber und starteten nun wütende Angriffe auf unser Tor. Jedoch konnten die guten Chancen mit Glück und Boris vereitelt werden, so dass es mit einem 2:0 in die Kabine ging.

Dass die Türken nun in der zweiten Hälfte den Druck erhöhen, eventuell Spieler aus einer höherklassigen Mannschaft einwechseln und unsere Kräfte schwinden würden, hatten wir für die Planung der Halbzeit auf dem Zettel, nicht aber den Schiedsrichter, der von Mister Unauffällig zum spielentscheidenden Protagonisten mutierte. So ging es dann mit einigen gelben Karten gegen uns und einem zweifelhaften Elfmeter los. Der Schiri zählte die neun Meter ab, legte den Ball auf den unmarkierten bzw.  nicht gekreideten Platz ab und zeigte Boris die gelbe Karte weil dieser es wagte, elf Schritte zu tätigen um den vermeintlichen Elfmeterpunkt selber einzuschätzen. Naja, 2:1. Konnten wir mit leben, da sich doch bestimmt noch einige Konterchancen ergeben sollten…

Klare Fehleinschätzung da alles, was schnell nach vorne gespielt wurde, auf einmal auf Abseits entschieden wurde. Viele Möglichkeiten ergaben sich dann so nicht mehr. Es begann die Abwehrschlacht! Gute Möglichkeiten wurden von Türkiye aber weiter ausgelassen oder einfach sehr gut verteidigt. Nach einem langen Ball in den 16er und dem Ruf des Liberos „Meiner“ dann der nächste Pfiff. Freistoß für Türkiye im 16er und gelbe Karte für Malte wegen grob unsportlichen Verhaltens. Freistoß knallhart, hoch in die Ecke. Doch wie ein Schatten löste sich unser gertenschlanker Jensemann vom Pfosten und köpfte das Ding wieder raus aus dem 16er. Nach der gelbroten Karte gegen Sascha A und folglich einem Mann weniger wurde es dann in den vermeintlich letzten 10 Minuten noch einmal brenzlig – aber, das alte Lied: gut verteidigt und vom Gegner verdaddelt.

Nachdem die 5 Minuten Nachspielzeit überstanden waren, machte sich auch bei unseren Gastgebern langsam die Gewissheit breit, dass das heute wohl nichts mehr würde. Doch wir spielten einfach mal weiter, da der selber des Türkischen mächtige Schiedsrichter es so wollte. In der 98. Minute dann das, was eigentlich kommen musste: Flanke in den 16er, Jens steht hinter seinem Gegenspieler, der sich gekonnt und laut artikulierend mit dem Rücken  in Jensis Gebein fallen lässt. Klare Sache: Neunmeter! Ich selber hatte dann als Libero auch noch nie die tolle Erfahrung machen dürfen, aus 11 Metern Torentfernung stehend dem Einschlag des Balles im Netz, getreten durch den Neunmeterschützen, das anschließende Hochheben des Runden vom Schiedsrichter und sofortigem Abpfiff der Partie, zuschauen zu dürfen. Sich „im Moment verarscht vorkommen“ trifft die Gemütslage ganz gut.

Nachdem sich einige der gastgebenden Spieler bei uns für den Schiri entschuldigten, fuhren wir wie ein paar Hoffenheimer zurück an die Feldstraße zu Bubu, um unser Leid zu ertränken.

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