Punktelieferant für Hamm United IV

Wieder nur Punktelieferant für Hamm oder Das ist Fußball in der Unteren Herren Liga

Eigentlich ein für uns  nicht unnormales Ergebnis gegen unsere Freunde von Hamm United aber gestern ging es mal wieder richtig zur Sache. Deshalb hat sich dieses Spiel eine genauere Betrachtung verdient.

Es hat sich nämlich ein Spiel entwickelt, dass die Schönheit des unterklassigen Fußballs  in seiner eher ruppigen als spielerisch brillanten Ballführung sowie die wachsenden Emotionen als die taktisch raffinierten Spielzüge hervor hob ohne das schöne Fußballspiel,  zumindest in Ansätzen, nicht ganz außer Acht zu lassen. Für einige Akteure stellte sich dies, wahrscheinlich einhergehend mit der  speziellen Beschaffenheit des Kunstrasenplatzes an der Snittgerreihe, letztendlich als schmerzhafte und nachhaltige Erfahrung heraus.

So fingen wir, ein Segen für jeden der sich ein wenig mit Fußballtraining, Spieltaktik und Spielvorbereitung beschäftigt, mit einer zwangsweise auf 7 Positionen veränderten Startaufstellung, verglichen mit dem 4:0 Sieg zum Rückrundenstart in der Vorwoche, an. Statt Peter, Paul and Pippo (die auch als Band auftreten könnten fällt mir gerade auf) Henning, Jan, Thomas D. und André, traten wir mit der nicht weniger erfolgsversprechenden Aufstellung an:

Vogi

David           Tim           Carlo

Yves (Susi)          Axel

Julian (Boris)          Sascha A.          Sascha N. (Frank)

Kay          Bernd (Jens-Uwe)

Nach gutem Beginn unserer Achten schlugen die Gastgeber mit dem zweiten überhaupt nicht vielversprechenden Angriff zu. Der Ball wurde nämlich nur lang in unseren Sechzehner gekloppt. Als unser letzter Mann Tim im Rückwärtslauf zum Ball lief vernahm er ein aus dem eigenen Mittelfeld gerufenes „Towart, Torwart“. Vogi vernahm dies allerdings zu spät, hatte sich auf Tims nicht statt findendes Kopfballspiel verlassen, so dass der Siebener der Hammer nahm den Ball locker mitnahm und ohne Gegenwehr versenkte.

Sich kurz geschüttelt und dann relativ unbeeindruckt weiter gespielt konnten  wir nach einer Ecke im gegnerischen 16er den Ball behaupten und auf den nachrückenden Sascha A zurück legen, der Ingo im gegnerischen Gehäuse mit einem Winkelschlenzer keine Chance ließ.

Jetzt wollten wir mehr, wollten gewinnen. Testosteron und Adrenalin zusammen einsetzend haben Sascha A. dann wohl auch dazu verleitet, einem Hammer, der einen Einwurf ausführen wollte obwohl dieser für uns angezeigt wurde, den Ball aus den Händen schlagen zu wollen. Als dieser den Ball festhaltend nach hinten kippte, fiel Sascha im gegnerischen Gesicht grapschend, bäuchlings auf seinen widerspenstigen Gegenpart. Folge dessen war eine Ermahnung des Schiris für Sascha mit der entsprechenden gelben Karte, zusätzlich verbunden mit einem Freistoß für Hamm statt unseres Einwurfs. Nach längerem hin und her dann der schnelle Vorstoß der Nummer 7 über den linken Flügel und dann wieder eine Situation, wie man sie wohl nur in den Kreisligen und Unteren Herren dieser Welt sieht. Den Siebener stören wollend läuft Libero Tim rückwärts  und stolpert dabei unglücklich über Bein und Boden. Also freie Bahn für die 7, Schuß und großartige Parade von Vogi im Kasten, der den Ball zur anderen Seite abfälscht. Von dort landet der Ball per Preßschlag bei Yves zentral 14 Meter vor dem Tor, der den Ball dann sehenswert als Klärungsversuch dem Sieberner ans Schienbein semmelte, von wo aus der Ball dann zum zweiten Mal hinter Vogi einschlug.

Nach Pleiten, Pech und Pannen dann das erste Ungemach für die Hammer als Sascha N, wieder einmal im Rückwärtslauf, mit dem Hinterkopf im Gesicht – es war wohl Nase oder Jochbein – seines Gegenspielers landete. Erste Diagnose von einem scheinbar fachkundigen Hammer Abwehrspieler Richtung  Ersatzbank: „der blutet wie ein Schwein!“. Krankenwagen, Krankenhaus.

Vielleicht war es das Blut, dass den Testosteronspiegel dann wiederum von Sascha A. nach 25 Minuten Spielzeit ansteigen ließ und ihn zu einer übermotivierten Grätsche in der gegnerischen Hälfte aus dem Rückraum seines Gegenspielers kommend, verleitete. Der kleine, kiebige Schiedsrichter fühlte sich nach seiner ersten Ermahnung gegenüber Sascha wohl unverstanden und zeigte durchaus vertretbar Gelb/Rot. Während all dieser Geschehnisse muss sich David in der ersten Hälfte im Sprint vertreten haben, spielte aber dank Testo und Adrena 90 Minuten durch. Am Montagmorgen stellte sich das geschwollene Sprunggelenk dann beim Orthopäden als Bänderriss und eventuell Fraktur des Knöchels heraus. Männersport.

Mit einem Mann weniger und notwendiger taktischer Umstellung hielten wir den Spielstand wenigstens bis zur Pause und sorgten unfreiwillig für noch eine verletzungsbedingte Auswechslung bei den Hammern.

In der Pause dann allgemeines Aufputschen und Appellieren an das Ehrgefühl auch in Unterzahl noch etwas Zählbares mitnehmen zu können. Das hat scheinbar gewirkt denn tatsächlich konnten wir das Spielgerät vornehmlich in der gegnerischen  Hälfte halten und im weiteren Spielverlauf gute Möglichkeiten heraus spielen. Dann aber ein schneller Konter über unsere linke Seite, der schnelle Siebener kommt nach Alleingang im Sechzehner frei zum Schuss. 3:1. Shit.

Tja, weiter machen, nicht aufgeben, schließlich sind wir Tabellendritter. Also ging es weiter dank einer starken kämpferischen Einstellung in des Gegners Hälfte und da fiel dann auch nach einer zu kurzen Faustabwehr vom Hammer Keeper Julians Kopfballtreffer 20 Minuten vor Schluss. Und da waren sie wieder, Testo und Adrena putschte die Achte trotz schwindender Kräfte weiter nach Vorne. Schade, dass Kay´s Kopfball nur knapp neben dem Tor einschlug. Die Stimmung war nun groß und da störte auch der eine Konter von United nicht obwohl der Stürmer in unserem Fünfmeterraum ziemlich hart in Vogi reinrauschte, der den Ball dann auch nicht festhalten konnte. Erstaunlich war dann nicht nur, dass David mit Bänderriss da immer noch zum Klären der Situation Richtung  Vogi spurtete, sondern dass der freundliche Schiri zur Überraschung aller Anwesenden auf den Elfmeterpunkt zeigte. Ehrlicherweise konnte man den Hammer Spieler auch zwischen Vogi und David liegend immer noch laut schreien hören aber Elfer für Hamm? Trotzdem nicht.

Aber auch das ist das schöne am unterklassigen Fußball, nach dem der Hammer von einem Mitspieler und von St. Paulis Sascha N vom Platz getragen wurde, Krankenwagen, Krankenhaus, der Elfer unsere Niederlage besiegelte kam irgendwann der Schlusspfiff, man gab sich die Hand, „gutes Spiel“, „viel Glück noch“,“fair gespielt“,  Bierchen trinken, Kippe rauchen und nach der Dusche Wunden lecken. Zwischendurch wurde Julian übrigens noch des Platzes verwiesen. Allerdings nur weil nicht nur beide Knie aufgeschrubbt bluteten, sondern auch beide Ellbogen. Lösung: Stutzen hoch über die Knie  ziehen und Trikotärmel wieder runter stulpen. Fertig ist der Lack. Nächste Woche geht´s dann garantiert mit einer völlig neuen Aufstellung zu Hause gegen den SV NA (Nettelnburg- Allermöhe) zu einem wieder mal ganz normalen Fußballspiel in der Untere Herren Liga HB 1.

Malte

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