Gut, aber nicht gut genug

Es gibt eine Konstante, die sich seit jeher durchs Dasein von St. Pauli zieht: Spielt der FC gut, gar besser, heißt das noch lange nicht, dass er auch gewinnt; spielt er dagegen mies, mieser zumal als der Gegner, ist das hingegen eine Art Niederlagengarantie. Die Profis haben dieses Kontinuum gerade in den Spielen gegen Karlsruhe und Nürnberg belegt, die 8. Herren haben es ihnen praktisch zeitgleich nachgemacht.

Vor einer Woche nämlich ging es gegen die 3. von Nettelnburg/Allermöhe, jenes Team aus dem Tabellenkeller, das im Pokal ein klares 0:6 gegen uns kassiert hat. Und trotz unablässiger Feldüberlegenheit der Achten, trotz schier unfassbar hoher Zahl hochkarätiger Chancen und einer Halbzeit in Überzahl – ging das Spiel 1:1 aus. Schuld war eine von maximal drei leidlich zwingenden Torraumszenen der Gäste, die nach dem Querschläger im Fünfer zur Führung führte. Die in der 2. Halbzeit nach gefühlt 30 zwingenden Torraumszenen mit einer Flanke von Susi ausgeglichen wurde, bei der Kay den Torwart so irritierte, dass sie aus 30 Metern direkt rein ging. Dass es dabei blieb? Ein Witz.

So wie die Tatsache, eine Woche später gegen Rot-Weiß Wilhelmsburg am Ende ohne Punkte dazustehen. Der Tabellenzweite hatte zuvor den ungeschlagenen Ersten Eilbek besiegt und sich damit selbst an die Tabellenspitze gesetzt, schien aber auch wegen der Anstoßzeit (10 Uhr) und seiner oft hypermotivierten Tricksertruppe schwer zu schlagen. Doch dann – führt die erste Chance nach wenigen Minuten und Foul an Paul zu einem Elfmeter, den Malte sicher verwandelt. Nur zehn Minuten später erzielt Tim nach einer schönen Kombination über rechts und Patzer des Wilhelmsburger Abwehrspielers zwar das 2:0; warum es für den Torwart als letzter Mann vorm Elfer zuvor kein Rot gegeben hatte, nimmt der Schiedsrichter vermutlich mit ins Grab – und damit das Geheimnis der Schlüsselszene des Spiels. Denn Wilhelmsburg ist zwar feldüberlegen und torgefährlich, dank leidenschaftlicher Abwehrarbeit, die oft schon an der Mittellinie beginnt, fällt der Anschlusstreffer erst (gleich) nach der Pause, als der Torwart, der ja eigentlich gar nicht mehr spielt, hoch in unsere Hälfte abschlägt und sein Stürmer den bis dahin sensationell haltenden Vogi zum Anschlusstreffer überlupft.

Komischerweise ist das Spiel auch danach recht offen, was auch an der Aufstellung spielstarker Frühaufsteher wie Tim, Thomas, Pipo, Paul, Malte und Carlo liegt, denen Kay, Axel, Boris, Jan, Yves, David und Jens-Daniel in nichts nachstehen. Umso ärgerlicher, dass Wilhelmsburg (die wie erwartet mit Hurensöhnen um sich werfen (am Ende aber doch nicht so krass wie erwartet waren (oder Pipo?))) nach Tims Lattenschuss einen abgefälschten Ball ins Netz stochern und als ihnen ersichtlich die Puste ausgeht, kurz vor Schluss sogar noch einen krassen Schnitzer am Mittelkreis zum nicht unverdienten, aber glücklichen Sieg nutzen. So ist es halt: Spielt St. Pauli gut, kommen noch lang keine Punkte rum, spielt es schlecht, schon gar nicht.

Jan

Artikel teilen: