FC St.Pauli VIII – Atlantik 97 III 3-3

Feldstraße 1 statt 2, Sonne von oben statt Regen im Herzen, ein Top- statt Aufbaugegner und gut gelaunte Fans statt Kopfschütteln am Spielfeldrand – stärker könnte sich dieser Spieltag von unserer Tabellensituation kaum unterscheiden. Trotzdem: Hier ein braun-weißes Team ohne Spielmacher und Abwehrzentrum, da massig quirlige Filigrantechniker. Hier Durchschnittsalter Richtung 40, da locker zehn Jahre drunter, hier ein Pfeifen im Walde vom ersten Punkt seit sieben Spielen, da ein siegessicherer Akzent zwischen Klitschko und Krimkrieg – es sah irgendwie alles nach der siebten Niederlage in Serie aus. Vorm Anpfiff.

Doch dann ging es mit Olaf ganz hinten; Benni, Christian, Yves und Frank sehr weit hinten; David, Boris, Martin und Sasa auch noch ziemlich hinten; dazu Henning mittig hinten; plus so was wie vorne Bernd, los.. Und plötzlich lief eigentlich alles gar nicht schlecht. Die fair agierenden Gäste aus Neu-Allermöhe zeigten sich zwar von Beginn an spielbestimmend, ballsicher und zielstrebig; aber die zwei Viererketten hielten beeindruckend stoisch ihre Positionen und ließen so vor allem Fernschüsse zu. Falls doch mal was in den Strafraum kam, stand da Olaf in einer Tagesform, von der eine Woche zuvor drei Prozent für den Sieg gereicht hätte…

Abwehrschlacht also. Nicht schön für die wachsende Zahl Zuschauer am Spielfeldrand. Auch kein reines Vergnügen für die neuneinhalbköpfige Defense. Aber leidenschaftlich, konzentriert und effektiv, auch nach dem frühen Ausfall von Benni/Frank und dem ungedehnten Einsprung durch Jens/Jan. Dass das 1:0 kurz vor Halbzeit per Eigentor entstand, passt da ins Bild: Bernd setzte sich so energisch an der linken Torauslinie durch, dass der gegnerische Fuß ins Glück eben nicht mehr wegziehen konnte.

Ebenso folgerichtig war, dass der 1:1 Ausgleich kurz nach der Pause durch ein Luftloch im Fünfer und anschließendem Abstauber aus zehn Metern, also keinem erspielten Angriff von Atlantik, erfolgte. Blöd sah dann auch die 1:2 Führung der Gäste aus; aber wer erwartet schon eine Ecke, die von rechts per Vollspann flach die Linie entlang Richtung Pfosten zischt? Der gerade wieder eingewechselte Frank jedenfalls nicht, aber kein Vorwurf fürs Drübersäbeln.. Dann schon lieber kollektive Ehrfurcht vor Bernd, der zehn Minuten später einen langen Pass von Martin an den Strafraum erst mit links annahm, um ihn dann mit rechts zum 2:2 unter die Latte zu dreschen.

Das Bemerkenswerteste aber: als Atlantiks Bester – viel Ligaerfahrung, Null Haare – einen seiner gefühlt zehn Fernschüsse zum 2:3 ins Netz hämmerte, wurde die Deckung zwar gelockert, aber nicht aufgelöst. So haben wir eine Viertelstunde lang kontrolliert Druck auf den Tabellenzweiten ausgeübt, der kaum noch aus der eigenen Hälfte kam. Resultat: Eine letzte Ecke in den Fünfer, Jens trifft per Kopf vom langen Pfosten nur die Hand eines Abwehrspielers, doch statt des Elfmeterpfiffs köpft Henning einfach mal rein. 3:3 und Abpfiff. Und endlich mal wieder richtiger Jubel.

Angesichts der gegnerischen Großzahl an Schusschancen (zudem wurde 2x nach Ecke auf der Linie geklärt) ein wenig glücklich, aber weil Altantik sonst fast nie gefährlich in den Strafraum kam, Olaf einen Sahnetag hatte und auch der Rest richtig heiß auf Fußballkämpfen UND -spielen war, geht der Punkt völlig in Ordnung. Meinte auch der Gegner. Danke an euch alle und den schönen Support von außen!!!

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