Die beste Abwehr der Liga

Abwehrspieler haben’s auch nicht leicht, gerade im Fußball. Abwehren heißt rausbolzen, gar kaputt machen, jedenfalls defensiv sein, Tendenz destruktiv, also nicht Trikot übern Kopf ziehen nach wuchtigen Winkeltreffern oder profanen Flachschüssen, sondern Füße mit Anlauf zwischen fremde Füße, gern in der Horizontalen. Das ist eher Handwerk als Kunst und somit fehleranfällig – davon zeugt jeder gewöhnliche Fernsehreporter, der jedes Tor grundsätzlich als Resultat vorhergehender Abwehrfehler deklariert, um die stürmenden Nutznießer sodann nur umso inbrünstiger zu feiern.

Wir könnten an dieser Stelle also zur Tagesordnung übergehen und die Torschützen des kunstvollen 6:1 der 8. Herren vom FC St. Pauli 1910 e.V. gegen den BFSV Atlantik 97 II hochleben lassen, immerhin der zehnte Sieg im elften Spiel. Tun wir aber nicht. Nicht nur.

Kaylof, Henning, Paul, zweimal Sascha und Pippo haben am Samstag eine beeindruckende Mannschaftsleistung mit überwiegend schönen Treffern gekrönt, was nach Abpfiff noch im Otzendunst mit ebenso schönen Lobeshymnen quittiert wurde. Alles richtig. Es ist ja in der Tat die Offensive, deren Genauigkeit zuletzt 31 Punkte mit 46 Toren ermöglicht hat.

Es ist aber auch – und das wird hiermit ausdrücklich gewürdigt – eine Abwehr nebst verteidigendes Mittelfeld, die zugleich ganze 15 Gegentreffer in elf Spielen zuließ, was für Herren-Verhältnisse eher wenig ist, aber zwischen Kabine und Otzentreff nur nebenbei mal gewürdigt wird. Dabei waren es diesmal zum Auftakt Axel, Pipo, Yves, Malte, Tim (noch immer jedoch kein Carlo, der beim letzten Punktverlust langzeitverletzt wurde), die unseren

Angstgegner mit klugem Abwehrverhalten bis auf drei, vier heikle Situationen vom eigenen Tor ferngehalten und somit erst das furiose Angriffspiel ermöglicht haben. Das hatte es dann aber auch wirklich in sich. Mit Tim als Aufbauspieler, Henning als Anspielstation davor und über die Flügel Paul, Sascha, Julian ging es grad in der ersten Hälfte so zügig Richtung gegnerisches Tor, dass sie alle samt Bernd und Kaylof ganz vorne Chancen in Serie hatten. Deren Verwandlung im halben Dutzend zog allerdings noch was anderes nach sich als ein sperrangelweit offenes Tor zur besten Platzierung seit vielen Jahren mit der realistischen Aussicht auf den Titel: der klare Sieg hat unserem Gegner die Maske vom Gesicht gerissen. Dass der nämlich nicht auch bei den vorigen Partien Stress bis hin zuoffener Aggression gemacht hat, lag offenbar nur daran, dass sie uns regelmäßig weggehauen haben. Gut verlieren können die also eher schlecht.

Der Achter dagegen kann derzeit vor allem eins: ziemlich gut gewinnen. Mit vielen schönen Toren. Einer Abwehr, die sie von hinten raus erst ermöglicht. Und abermals einem Support, der am Samstag trotz Nieselregen fabelhaft war. Ein Spiel fehlt noch, dann ist etwas Großes drin. Also am Sonntag ab nach Harburg-Rönneburg – alle!

Jan

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