Den Tabellennachbarn auf Abstand gehalten

Nichts, sagte einst der Reichs- und Bundestrainer Sepp Herberger, schweiße eine Mannschaft mehr zusammen als der Hochmut des Gegners. Denn Hochmut, ergänzte sein Nachfolger Helmut Schön, komme vor der Niederlage. Gut, eigentlich verbietet es sich von selbst, den überzeugten Nazi Herberger, NDSAP-Eintritt 1. Mai 1933, oder den proaktiven Mitläufer Schön („der Krieg war für uns Sportler eine herrliche Fußballzeit“) zu zitieren, aber irgendwie brachten die zwei NS-Karrieristen gut auf den Punkt, was den 8. Herren gerade zum siebten Sieg in Folge verholfen hat. Auf dem Kabinengang rätselte die VI. des USC Paloma lautstark vorm Anpfiff nämlich nur noch, in welcher Höhe sie wohl gewinnen würden und somit tabellarisch am FC vorbeiziehen. Pustekuchen.


Denn nachdem Malte die Startelf aus ihm selbst, Boris, Jan, Carlo, Yves, Pipo, Julian, Henning, Paul, Axel und Kay nebst Einwechselspieler Burghard, Tobias, Julian II und David, noch vorm rasanten, körperlich überlegenen, also furchteinflößenden Gegenüber gewarnt hatte, erwies der sich bei nasskalten Bedingungen erstmal als irgendwie lahm, behäbig, also fern von beeindruckend. Von Anfang an hatte die Abwehr den schnellen Mittelstürmer und seine zwei Flügelspieler fest gut im Griff und baute das Spiel – wie immer fast ausnahmslos über die linken zwei Spielfelddrittel – zügig auf. Und während sich Hamburg-Ost noch ständig über Sommerzeit und Regenwetter beschwerte, hatte St. Paulis Turbo-Paul das frühe 1:0 am menschlich noch ausbaufähigen Torwart vorbeigeschoben (statt geballert), was er selbst und zweimal Kay lange vor der Pause auf 4:0 ausbauten. Und wäre zwischen Torwart und Abwehr nicht kurz vor Halbzeit ein kleines Missverständnis entstanden – es hätte auch in Richtung des Vorwochenergebnisses von neun Toren Differenz laufen können.

So aber kam Paloma ziemlich überdreht aus der Kabine und machte nach einer Stunde durch einen mäßig berechtigten Freistoß von der Strafraumgrenze, der am rechten Innenpfosten einschlug, als Boris noch entspannt die Mauer stellte, den zweiten Treffer – was Julian II mit seiner dritten Ballberührung im allerersten Einsatz für die Achten jedoch mit einem ebenso entspannten Kopfball schnell wieder wettmachte. Danach passierte nicht mehr viel, die Überlegenheit im Mittelfeld ließ eigentlich nie nach, die Abwehr hat gefühlt 90% ihrer Zweikämpfe gewonnen und überhaupt das ganze Team bis auf 20 nachgiebige Minuten in der Mitte und ein paar seltsam verballerten Torchancen in der Spitze durchweg überzeugt.

Das lag gewiss nicht nur, aber auch an der freundlichen Motivationshilfe des Gegners vorab – und der Tatsache, dass selbst bei Dreckswetter und vorgestellter Uhr immer noch ein halbes Dutzend Fans kommen. Danke an alle – außer die zwei angesprochenen Fußballtrainer, deren versifften Naziseelen hoffentlich noch heute in der Hölle rösten.

Jan

Artikel teilen: