4-3 bei HSV 5 und 9-1 vs. Vorwärts 93 Ost II

HSV V. vs. FC St. Pauli VIII, 14. Oktober 2012

FC St. Pauli VIII. vs. Vorwärts Ost II, 20. Oktober 2012

Mit Siegesserien ist das so eine Sache: Einmal angefangen, geraten sie in den Köpfen schnell zur Selbstverständlichkeit und bewirken das Gegenteil. Unterbrochen, gerät der Trendbruch in den Köpfen ja seinerseits zur Selbstverständlichkeit und alles wird nur noch schlimmer als zuvor. Siegesserien sind also eher kontraproduktiv als zielführend und folgerichtig mit Vorsicht zu genießen.

Womit wir bei den 8. Herren wären.

Denn die (also wir) haben nach gefühlt 153 Niederlagen in Folge den noch punktär-meren Gegner aus Ahrensburg im ausklingenden Sommer ziemlich fulminant mit 5:4 besiegt und damit allerlei Begehrlichkeiten, Sehnsüchte und Träumereien rings um den Otzentreff-Tresen entfacht. Womit wir beim HSV wären. Denn als ein stark ersatzgeschwächtes St. Pauli dort im anklingenden Herbst eher nicht so fulminant, aber beherzt mit 4:3 gewonnen hat, war der Dreipunkteausrutscher zur zwischenzeitlichen Regel geworden und hatte für neuerliche Begehrlichkeiten, Sehnsüchte und Träumereien gesorgt.

Doch der Reihe nach.

Denn beim Müllverbrennungsanlagennachbarsverein ging es ja erstmal los wie so oft: Ein spielerisch einsilbiger Gegner ließ uns 20 Minuten entspannt aufgeregt in deren Strafraum, wo Bernd, Tim und Kay zwar noch nicht so richtig gefährlich, aber doch recht offensiv zu Werke gingen, während die Abwehr um Pippo, Malte und Carlo eher gar nichts zuließ. Bis, tja, bis der erste echte Angriff der überwiegend noch pubertierenden Rauten einen Kullerball ins Tor brachten, das erstmals seit gefühlt 153 Jahren von Jan (wovon noch zu sprechen sein wird) gehütet wurde. Kay machte nach der Pause unser schönstes Kopfballtor seit gefühlt 153 Saisons und schob den Ball gleich darauf ziemlich lässig nach Traumpass von Tim zur Führung ins linke Eck.

Dann ging es weiter wie es bei uns eben weiter geht: Praktisch jeder ernstzunehmende Angriff der Norderstedter ginge rein, was Tim mit zwei schönen Toren, darunter ein Heber, noch zum Sieg umwandelte, und am Ende tun alle so, als wären jene sechs Bälle, die der HSV Jan (also mir) mehr oder weniger in den Arm geschossen hat, tolle Paraden gewesen, damit nie wieder jemand irgendwen anders fragt, ob er sich bei Ausfall Christophs die Handschuhe anzieh (in Kays Erinnerung wurden daraus übrigens mit jedem Otzenbier mehr erst sechs, bald elf, irgendwann 153 Glanzparaden…). Das – also der Sieg – war gut für die Seele, für die Otze, für die Serie.

Womit wir beim Spiel gegen Vorwärts Ost II wären.

Denn da ging es ohne Pippo und Christoph, aber mit – Sorry, Kay: Boris im Tor gegen das taktisch schlechteste Team der Liga. Und es hat uns gleich mal gezeigt, warum das so ist. Die beneidenswert jungen, bemitleidenswert egoistischen, aber bemerkenswert freundlichen Sinti und Roma aus irgendwas im Osten transponierten ihre Playstation-Dribblings zwar sehr kunstvoll in die Realität – allerdings immer nur bis zum dritten Gegenspieler, woraufhin ganz VO II wie ihre Avatare daheim die Köpfe hängen ließen und uns am Torverhältnis arbeiten. Das ging mit Tims Kopfohrball los in den Winkel los und endete zwischenzeitlich mit dem 3:0 zur Pause. Am Ende stand es 9:1. Der Schwedengedächtnisgegentreffer in der – ernsthaft! – 62. Minute zum 4:1 sorgte zwar noch kurz für Unruhe, brachte angesichts der System- und Abwehrverweigerung des Gegners aber nicht mal uns aus dem Tritt.

Ergo: Torreihenfolge und Schützen lassen sich nicht mehr richtig rekapitulieren. Kay hat gefühlt 153 Stück geschossen (tatsächlich waren es wohl vier), Jens und Bernd haben ge-fühlt ebenso viele Flanken in den Strafraum geschlagen, während Malte die Zeit hatte, mich (also Jan) gefühlt 153 Mal dafür zusammenzuscheißen, nicht gleichzeitig vier Gegner mann-zudecken, außerdem den Raum abzusichern und die Seitenlinien neu zu kreiden. Aber Spielertrainer haben es bekanntlich auch nicht leicht. Gerade, wenn sich da plötzlich eine Siegesserie anbahnt, die in den Köpfen das Gegenteil bewirken könnte. Im Moment hält sie noch.

 

Artikel teilen: