Pif Paf.

Nach Johnnys Perspektive von der Seitenlinie hier nochmal eine aus dem Mittelkreis:

Mannschaftssport ist ja schon was großartiges. Gemeinsames Duschen, ansteckende Magen-Darm Infekte, Pöbelei, Neid, Missgunst, Fehlpässe, Hass und vergessene Trikottaschen gehören am unteren Spaßende genauso dazu wie Jubeltrauben, Auswärtssiege, Barkassenausfahrten, fremde Bärte an der eigenen nackten Brust, Freundschaft, Freibier und Wurst. Dabei gibt es neben dem Sport an sich ein sehr schönes verbindendes Element dieser Begriffe: die Stories dazu. Und die müssen erzählt werden.

Unser Trainerfuchs Malte hat sich dementsprechend was ganz besonderes zum Spiel gegen die bislang immer siegreichen sympathischen Jungspunde aus Berne einfallen lassen und kurzerhand einfach schon vor dem Spiel behauptet: Leute, davon werden wir noch lange erzählen. Da war sie also, die Siegesgewissheit: Rausgehen, warmmachen, weghauen. Oder wie Kay sagen würde: Pif Paf.

Fußball ist ja auch Kopfsache wird behauptet und unsere Motivation hätte höher nicht sein können. Im Hinspiel haben wir chancenlos 0:3 verloren, wobei wir im Regelfall ganz solide kicken und nur ganz selten mal zu null verlieren. Revanchegelüste und Motivation liegen dankbarerweise dicht beieinander. Nun kam Berne also mit 12 Siegen aus 12 Spielen an die Feldstraße, im Hintergrund wurden diverse Kästen Bier auf Heimsieg gesetzt und der Trainer bat um Ruhe in der Kabine. Dann versuchte er uns auf Papier einen Freistoßtrick beizubringen, den wir auf dem Feld nie einstudiert haben. Amateurfußball ist einfach klasse.

Das besondere am Spiel war, dass alles mit Ausnahme der Freistöße so geklappt hat, wie wir es uns vorgenommen haben. Nicht zu früh draufgehen, in der Defensive brav verschieben, das Mittelfeld kompakt halten und hin und wieder ein Tor schießen. Fußball kann ja auch ganz einfach sein.

Schon in der siebten Minute der Führungstreffer durch Julian Draxler. Paul stochert einen Verteidiger um, schießt dann in gewohnter Manier mit Vollspann den Torwart an und Julian steht goldrichtig, um das Ding mit seinem stärkeren rechten Schienbein über die Linie zu drücken (Fußballsemantik ist einfach zum Verlieben!). Erwähnenswert dabei auch die genauere Entstehung des Tores: Christoph mit 50m Abschlag auf Tim, der die Pille so zärtlich mit seinem Fuß runterpflückt, dass das Wort ‚Ansaugen‘ neu definiert werden muss. Das spezifische Ansauggeräusch (‚Pfflp‘) konnte angeblich noch in Eimsbüttel vernommen werden. Tim dann mit feinem Pass durch die Abwehrreihe auf Paul, den Rest kennt ihr. Achja: Endlich konnte Julian sich mal wieder belohnen.

Von Berne kommt zu der Zeit erstaunlicherweise nicht viel. Hinten wird recht sicher der Ball hin und hergespielt aber dann enden die Versuche nach vorne oft durch die Mitte bei unseren beiden Sechsern Pipo und Axel. Und die beiden sind gerade on fire. Pipo schon seit Wochen topfit, ein Tor und ein Assist im Spiel gegen Paloma, geht in jeden Zweikampf und zwar mit ähnlichem Willen wie Leo wenn es um den ersten Oscar geht. Axel, vermutlich gepusht vom Stuttgarter Höhenflug, lässt keinen Gegenspieler mit Ball mehr an sich vorbei. Weil er’s kann.

Das 2:0 fällt dann in der 34. Minute nach einem Einwurf von Pipo auf der rechten Seite. Julian verlängert mit dem Kopf auf Tim und der macht ihn aus kurzer Distanz rein. Da war es wieder: Pif Paf. Berne nach dem 2:0 etwas stärker. Einen Fernschuss fischt Christoph aus dem Winkel, einen Freistoß guckt er mit seinem linken Auge einfach ins Aus. Das rechte war vermutlich noch vom Feiern zu. Hinten stehen wir aber mit Peter, der sich am Abend zuvor noch ein paar Tattoos stechen ließ, um die Berner Stürmer einzuschüchtern, Malte, der an dem Tag seinen 30. Geburtstag spontan nachfeiert und den ich noch nie so schnell habe laufen sehen und Carlo, der sich siegessicher zuhause schonmal vorsorglich abgemeldet hat, um die ganzen gewetteten Biere auch in Ruhe genießen zu können, sowieso total sicher und lassen nicht viel zu (jaja ich weiß der Satz ist zu lang).

Bernes Nr. 9 wird das ganze dann irgendwann zu blöd und nach dem zweiten Nachtreten gegen Peter disqualifiziert er sich einfach selber vom Mannschaftssport und sitzt seitdem vermutlich immer noch allein unter der Dusche und schaut sich seine rote Karte an. Respekt an den Schiri für die Entscheidung und Danke für das gut geleitete Spiel.

Bei uns gibt es im Spielverlauf noch ein paar Einwechslungen: Jan hinten rechts, Karsten (der immer für ein Tor in letzter Sekunde gut ist) und Bernd (dessen Fackel in der ersten Halbzeit leider nur an der Latte landet) in der Spitze und Yves auf der Sechs, der mit all seiner Routine die Ruhe und Eleganz in hektischen Phasen zurück auf das Spielfeld bringt.

In der zweiten Halbzeit kommt Berne noch zu zwei gefährlichen Situation vor unserem Tor, jedoch können sowohl Malte als auch das Glück klären, so dass wir das Spiel tatsächlich am Ende zu Null gewinnen werden. Entschieden wird es in der 74. Minute. Axel mit Pass auf Paul, der stochert seinen Gegenspieler wieder um, lässt einen zweiten Aussteigen, den dritten immerhin noch blöd aus der Wäsche gucken und schiebt quer zu unserem Linksaussen, der den Ball perfekt in die Maschen hämmert. In exakt diesem Moment zieht Kay an der Außenlinie an einer Zigarette und denkt sich zufrieden lächelnd… naja ihr wisst schon.

Am Ende ein fairer Verlierer aus Berne, den wir gerne wieder bei uns an der Feldstraße begrüßen, ein stolzer Trainer der Achten, glückliche Sponsoren, ein zufriedener Boeters, viel Bier und noch mehr sinnloses Gequatsche in der Kabine. Nicht übel, wozu 90 Minuten Mannschaftssport so im Stande sind.

Cheers,

Eure Nr.7

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