Keine eigenen Gesetze

Nein, Pokal hat keine eigenen Gesetze, Pokal hat gar keine. Pokal hat Regeln wie alle anderen Spiele. Und die werden manchmal völlig unzusammenhängend außer Kraft gesetzt. Am Samstag zum Beispiel hat die tabellarisch wie spielerisch wankelmütige 8. des FC Sankt Pauli im Zweitrundenmatch gegen die tabellarisch wie spielerisch solide 5. von Barmbek-Uhlenhorst, kurz BU, gespielt. Es sah also nach einer heiklen Fahrt zu den Liganachbarn im näheren Osten aus. Zumal die Besetzung auf gewohnt wackligen Beinen stand. Viele Absa-gen, die üblichen Zauderer, dazu eine kleine Grippewelle. Sah also nicht gut aus gegen vermeintlich starke Gegner.

Aber dann. War doch alles anders. Pokal eben. Könnte man meinen. Oder doch ein-fach ein Spiel, das zu absurd war, um es einfach so mit der Fußballjurisdiktion zu erklären. Die Spieler von BU sahen schließlich alle nicht so recht nach exquisiten Technikern aus, sondern eher nach entspannten Familienvätern um die 30, nicht zu alt also, nicht zu jung, überaus friedfertig. Und dann? Mähten sie vom ersten Zweikampf an so unmissverständlich in unser aller Knochen, dass der verletzungsbedingte Ausfall des einzigen Spielers (Jan F.) im stinknormalen Zweikampf beim Stand von 5:1 an ein Wunder grenzt.

Ebenso wie der restliche Spielverlauf. Denn trotz des Ausfalls bedeutsamer Kräfte von Paul über Thomas bis Malte und Henning waren die 8. Herren 90 Minuten mit Ausnahme einer kleinen BU-Druckphase Ende der ersten Halbzeit erstaunlich souverän. Tims Rückkehr zeigte, wie viel Zug die Offensive durch ihn bekommt, wenn er dann auch noch Sascha zur Seite kriegt. Pipo hat seine Abwehr mit Jan/Carlo und davor Yves/Scott ohne viel Brüllen beisammen gehalten. Für hintere Stabilität sorgte zudem das vordere Mittelfeld samt eines Sturms, der sich nicht aufs Stürmen beschränkte und den Gegner trotzdem durch permanentes Toreschießen zermürbte.

Nach Tims Traumpass auf Axel, der daraus das frühe 1:0 machte, und einem Schlenzer von Tim selbst, der trotz des anschließenden Anschlusstreffers nur kurz für Unruhe sorgte, ging alles irgendwie wie von selbst. Noch vor der Pause das 3:1. Und danach Tore wie am Fließband, bis letztlich zweimal Axel, zweimal Bernd, zweimal Sascha, einmal Tim und als Sahnehäubchen der eingewechselte Frank mit einem feinen Heber zum Endstand ein unerwar-tetes, aber gar nicht mal unverdientes 8:1 klarmachten. Und das lag – auch wenn das einige Osthamburger anders sahen – nicht an Clark, der den abwesenden Schiedsrichter ohne gravierende Fehlentscheidungen ersetzt hat. Der Dank gilt also ihm und allen und überhaupt einem Wettbewerb, der uns noch eine weitere Runde Gesetzlosigkeit gewährt.

Jan

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