A real Aha-Erlebnis

Angstgegner ist wie Wunderkind und Blitzkrieg ein Wort, dass auch im englischsprachigen Raum genutzt wird, weil es sich einfach nicht unfallfrei übersetzen ließe. Fear enemy? Anxiety opponent? Läuft doch nicht. Sämtliche angloamerikanische Medien, die also heute über den gestrigen Sieg der 8. Herren berichten, dürften vom „awsome Victory vs. the Angstgegner“ oder so schreiben. Die Rede ist von Hamm United, was irgendwie auch britisch klingt. Denn es war in der weltweiten Wahrnehmung historisch, was sich da gestern auf F-F-Feldstraße 1 ereignete: Mit 7:1 – in Worten: siebenzueins – hat ein Team, das far beyond the best one aufgestellt war, gewonnen.

Ohne Malte, Sascha, Tim, Thomas, Sasa, solchen Kalibern, wurden die Ost-Hamburger förmlich überrollt. Mit dem weitestgehend beschäftigungslosen, aber immer wachsamen Boris „the hairy belly“ Emmert im Tor, mit Carlo, Andrew, Jan davor, mit Abräumer-Yves und Aufbau-Pipo zwischen dem Mittelfeldangriff Julian, Henning, Bernd, Paul, Axel und auf der Bank Scott, Jo, Karsten hatte Hamm bis auf eine kurze Schwächeperiode rings um die Halbzeitpause selten die Spur einer Chance. Hennings frühes 1:0 aus spitzem Winkel ins Torwarteck war der Auftakt, dem der Captain ein bisschen Würze hinzufügte, indem er sich erst ohne zu fallen foulen ließ und dann den Gegner foulend fällte, was Erstatz-Schiri Malte mit einem Gesicht wie drei Tage Kloputzen mit Elfer ahndete.

Die Konfusion im Anschluss nutzte Hamm zu zwei, drei schnellen Angriffen mit Torabschluss, die allerdings im Verlauf der gesamten 90 Minuten singulär bleiben sollten. Es wurde also ein Spiel auf ein Tor, das in der ersten Hälfte zwar gefällig aussah, aber eher ineffektiv war, in der zweiten dann aber kurz vor Schützenfest endete. Dreimal Julian (wobei er vom ersten wohl selbst noch grübelt, wie der rein kullerte) sowie je zweimal Henning und Paul (dem mal jemand zeigen muss, dass sein rechter Fuß auch im Strafraum nicht nur aus Vollspann besteht) haben aus dem Angstgegner ohne seine zwei Wunderkinder aus höheren Ligen in Blitzkriegmanier Sauerkraut gemacht – das zudem einen Spieler mit Verdacht auf Fußbruch verloren hat.

Ansonsten war Hamm aber auch in der Niederlage erstaunlich besonnen, selbst der HSV-Hool mit der arischen Rückennummer 18 hat nach Abpfiff nur ganz kurz Herrenmensch gespielt. So wurde es vor erstaunlich vielen Fans am Vormittag ein denkwürdiger Tag für fast alle. Oder wie Engländer sagen würden: A real Aha-Erlebnis.

Jan

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